Ein Mensch reagiert nicht und atmet nicht normal. In diesem Moment zählt nicht perfektes Fachwissen, sondern schnelles Handeln. Ich zeige, wie die Herzdruckmassage bei Erwachsenen funktioniert, wann der Notruf 112 nötig ist, wie ein AED eingesetzt wird und welche Fehler Helfende unbedingt vermeiden sollten.
Mit diesen Schritten kann sofort wirksame Hilfe beginnen
- Bewusstsein prüfen: Laut ansprechen und vorsichtig an den Schultern rütteln.
- Atmung beurteilen: Keine normale Atmung oder nur unregelmäßiges Schnappen bedeutet, sofort zu handeln.
- 112 wählen: Den Notruf auf Lautsprecher stellen und den Anweisungen folgen.
- 100 bis 120 Mal pro Minute drücken: In der Mitte des Brustkorbs, bei Erwachsenen etwa 5 bis 6 cm tief.
- Unterbrechungen vermeiden: Weiterdrücken, bis der Rettungsdienst übernimmt oder die Person wieder normal atmet.

Wann die Herzdruckmassage sofort beginnt
Ich orientiere mich im Notfall an der einfachen Reihenfolge Prüfen, Rufen, Drücken. Zuerst spreche ich die Person laut an und rüttle vorsichtig an den Schultern. Reagiert sie nicht, prüfe ich höchstens zehn Sekunden lang, ob eine normale Atmung vorhanden ist.
Unregelmäßiges Schnappen, einzelne tiefe Atemzüge oder röchelnde Geräusche gelten nicht als normale Atmung. Wenn die Person bewusstlos ist und nicht normal atmet, liegt bis zum Beweis des Gegenteils ein Kreislaufstillstand vor. Dann sollte niemand lange nach einem Puls suchen, denn das kostet Zeit und ist für Laien schwer zuverlässig zu beurteilen.
Ist eine zweite Person da, soll sie sofort den Notruf 112 wählen und nach einem automatisierten externen Defibrillator, kurz AED, suchen. Bin ich allein, rufe ich selbst an, stelle das Telefon auf Lautsprecher und beginne direkt mit der Wiederbelebung.
So führen Sie die Herzdruckmassage richtig durch
Die richtige Ausgangsposition
Die betroffene Person liegt auf dem Rücken und möglichst auf einem harten, ebenen Untergrund. Ich knie mich seitlich neben den Brustkorb. Enge Kleidung öffne oder entferne ich so weit, dass die Mitte des Brustkorbs eindeutig zu erkennen ist. Für die Suche nach einer perfekten Liegeposition darf aber keine wertvolle Zeit verloren gehen.
Handposition und Körperhaltung
- Den Ballen einer Hand auf die Mitte des Brustkorbs setzen, ungefähr auf die untere Hälfte des Brustbeins.
- Den Ballen der zweiten Hand auf die erste legen und die Finger verschränken oder anheben.
- Die Arme durchstrecken und die Schultern senkrecht über den Händen ausrichten.
- Den Brustkorb durch die Bewegung des Oberkörpers kräftig und gerade nach unten drücken.
Entscheidend ist nicht, besonders viel Kraft aus den Armen zu holen. Ich verlagere mein Körpergewicht senkrecht nach unten, damit die Kompressionen auch nach mehreren Minuten möglichst gleichmäßig bleiben.
Tempo und Drucktiefe
Bei Erwachsenen gilt ein Rhythmus von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Das entspricht ungefähr dem Takt von „Stayin’ Alive“. Der Brustkorb wird etwa 5 bis 6 cm tief eingedrückt und danach vollständig entlastet.
Das vollständige Entlasten ist genauso wichtig wie das Drücken. Wer sich zwischen den Kompressionen auf dem Brustkorb abstützt, verhindert, dass sich das Herz wieder ausreichend füllt. Druck und Entlastung sollten deshalb ungefähr gleich lange dauern, während die Pausen so kurz wie möglich bleiben.
30 Kompressionen, Beatmung und AED im richtigen Ablauf
Die Kombination 30 zu 2
Wer die Beatmung beherrscht und sie durchführen möchte, gibt nach 30 Herzdruckmassagen zwei Atemspenden. Dafür wird der Kopf vorsichtig überstreckt, das Kinn angehoben und die Nase verschlossen. Jede Atemspende dauert ungefähr eine Sekunde und sollte nur so kräftig sein, dass sich der Brustkorb sichtbar hebt.
Unsicherheit, fehlende Übung oder persönliche Bedenken sind kein Grund, untätig zu bleiben. In diesem Fall ist eine durchgehende Herzdruckmassage sinnvoller als lange Unterbrechungen oder erfolglose Beatmungsversuche. Der Leitstellendisponent kann am Telefon Schritt für Schritt unterstützen.
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Ein AED unterstützt die Wiederbelebung
Ein AED analysiert den Herzrhythmus und gibt, wenn erforderlich, einen Schock ab. Das Gerät wird eingeschaltet, die Klebeelektroden werden auf den entblößten, trockenen Brustkorb geklebt und die Sprachanweisungen werden befolgt.
- Während der Analyse darf niemand die Person berühren.
- Auch während der Schockabgabe müssen alle Helfenden Abstand halten.
- Nach der Ansage des Geräts wird sofort wieder gedrückt.
Ein AED ersetzt die Herzdruckmassage nicht, sondern ergänzt sie. Was in der Praxis den größten Unterschied macht, ist meist die Zeit bis zum ersten Druck und die möglichst ununterbrochene Durchführung.
Typische Fehler, die sich leicht vermeiden lassen
Viele Menschen drücken aus Angst zu vorsichtig. Bei einem Erwachsenen muss die Kompression deutlich spürbar sein. Zu flache oder zu langsame Drucke bewegen kaum Blut durch den Körper und reichen bei einem Kreislaufstillstand nicht aus.
- Zu hoch oder zu tief ansetzen: Der Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustkorbs auf dem Brustbein.
- Auf den Rippen drücken: Nicht die seitlichen Rippen, sondern der feste Bereich des Brustbeins wird belastet.
- Sich aufstützen: Der Brustkorb muss sich nach jeder Kompression vollständig zurückheben können.
- Zu häufig pausieren: Atemkontrollen, Diskussionen und das Suchen nach dem Puls unterbrechen die Versorgung.
- Aus Angst vor Verletzungen aufhören: Eine Rippenverletzung ist möglich, aber fehlende Hilfe bei einem Herzstillstand ist wesentlich gefährlicher.
- Kleidung zu lange entfernen: Nur den Brustbereich freimachen, der für Druckpunkt und AED-Elektroden nötig ist.
Wann andere Erste-Hilfe-Maßnahmen gelten
Eine Herzdruckmassage gehört nicht zu jeder Situation mit Brustschmerzen. Ist die Person wach und atmet normal, wird sie beruhigt, möglichst bequem gelagert und der Notruf 112 gewählt. Bei Verdacht auf Herzinfarkt sollte sie nicht allein gelassen werden.
Atmet eine bewusstlose Person normal, wird sie vorsichtig in die stabile Seitenlage gebracht und regelmäßig beobachtet. Verändert sich die Atmung oder besteht Zweifel, muss wieder auf den Rücken gedreht und mit der Herzdruckmassage begonnen werden.
Bei Kindern und Säuglingen gelten altersabhängige Besonderheiten bei Drucktiefe, Handposition und Beatmung. In einem solchen Notfall sollte ebenfalls sofort 112 gewählt und den Anweisungen der Leitstelle gefolgt werden. Entscheidend bleibt auch hier, nicht aus Angst vor einer falschen Maßnahme untätig zu bleiben.
So lange wird gedrückt, bis professionelle Hilfe übernimmt
Die Wiederbelebung wird fortgeführt, bis der Rettungsdienst die Versorgung übernimmt, die Person wieder normal atmet oder die eigene Sicherheit gefährdet ist. Bei mehreren Helfenden kann ungefähr alle zwei Minuten gewechselt werden, damit die Druckqualität nicht nachlässt. Der Wechsel sollte ohne längere Pause erfolgen.
Nach dem Eintreffen des Rettungsdienstes sind genaue Angaben hilfreich. Dazu gehören der Zeitpunkt des Auffindens, fehlende Reaktion, auffällige Atmung, Beginn der Herzdruckmassage und der Einsatz eines AED. Diese Informationen helfen dem Rettungsteam, die nächsten Schritte schneller einzuordnen.
Ein Erste-Hilfe-Kurs macht den entscheidenden Moment leichter
Die wichtigsten Zahlen lassen sich merken: 112 wählen, 100 bis 120 Mal pro Minute drücken, 5 bis 6 cm tief komprimieren und den Brustkorb vollständig entlasten. In einer echten Notlage ist eine nicht perfekte, aber sofort begonnene Herzdruckmassage fast immer besser als Abwarten.
Ich empfehle, die Wiederbelebung regelmäßig praktisch zu üben, idealerweise mit einer Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses etwa alle zwei Jahre. Wer die Handposition und den Rhythmus einmal selbst trainiert hat, findet im Ernstfall deutlich schneller ins Handeln.