Ein Mundwinkel hängt plötzlich, ein Arm sinkt ab oder die Sprache klingt verwaschen. Bei einem solchen Verdacht zählt jede Minute. Dieser Beitrag zeigt, wie ich einen möglichen Apoplex erkenne, den Notruf richtig absetze und die betroffene Person bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sicher betreue.
Bei Schlaganfallverdacht zählt jede Minute und klare Erste Hilfe
- Sofort 112 wählen und ausdrücklich „Verdacht auf Schlaganfall“ nennen.
- Mit dem FAST-Test Gesicht, Arme und Sprache prüfen, ohne den Notruf dadurch zu verzögern.
- Nichts essen, trinken oder einnehmen lassen, weil eine Schluckstörung vorliegen kann.
- Bei Bewusstsein den Oberkörper erhöht lagern, bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung die stabile Seitenlage anwenden.
- Beginn der Symptome oder den letzten sicher unauffälligen Zeitpunkt notieren.
Schlaganfall erkennen mit dem FAST-Test
Ein Apoplex ist die geläufige Bezeichnung für einen akuten Schlaganfall. Dabei wird ein Teil des Gehirns nicht ausreichend durchblutet oder durch eine Blutung geschädigt. Für Ersthelfende ist entscheidend, die Ursache nicht selbst zu bestimmen, sondern typische Ausfälle schnell zu erkennen.
Der einfache FAST-Test hilft dabei. Schon ein auffälliges Ergebnis reicht aus, um den Notruf zu rechtfertigen.
| Zeichen | Prüfung | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Face | Die Person soll lächeln. | Ein Mundwinkel hängt herab oder eine Gesichtshälfte wirkt schwach. |
| Arms | Beide Arme nach vorne heben, Handflächen nach oben. | Ein Arm sinkt ab oder kann nicht gehalten werden. |
| Speech | Einen einfachen Satz nachsprechen lassen. | Die Sprache ist undeutlich, unverständlich oder die Person findet keine Worte. |
| Time | Keine Zeit verlieren. | Sofort 112 rufen und den Symptombeginn mitteilen. |
Weitere Warnzeichen sind plötzliche Sehstörungen, starker Schwindel, unsicherer Gang, Taubheitsgefühle oder ungewöhnlich heftige Kopfschmerzen mit Übelkeit. Der FAST-Test erfasst nicht jedes Krankheitsbild. Deshalb gilt auch bei anderen plötzlich auftretenden neurologischen Beschwerden: lieber einmal zu früh den Rettungsdienst alarmieren.
Der Notruf 112 hat Vorrang vor jeder anderen Maßnahme
Bei einem möglichen Schlaganfall rufe ich in Deutschland sofort die 112. Die 116117 ist für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden gedacht und ersetzt den Rettungsdienst hier nicht. Auch wenn die Symptome zunächst mild wirken, sollte niemand abwarten oder die betroffene Person selbst ins Krankenhaus fahren.
Am Telefon genügt eine klare, kurze Meldung. Ich würde beispielsweise sagen: „Verdacht auf Schlaganfall“, danach den Ort, die sichtbaren Beschwerden und den Zeitpunkt nennen. Die Leitstelle führt durch das Gespräch und fragt die wichtigen Details ab.
- Wo befindet sich die Person? Adresse, Etage, Eingang und Zugang nennen.
- Was ist passiert? Gesichtslähmung, Sprachstörung, Armschwäche oder andere Symptome beschreiben.
- Seit wann bestehen die Beschwerden? Falls der Beginn unbekannt ist, den letzten Zeitpunkt nennen, an dem die Person sicher beschwerdefrei war.
- Wie ist der Zustand? Ist die Person ansprechbar und atmet sie normal?
- Welche Medikamente werden eingenommen, insbesondere Blutverdünner?
Wichtig ist, erst aufzulegen, wenn die Leitstelle das Gespräch beendet. Wenn mehrere Menschen vor Ort sind, kann eine Person telefonieren, während eine andere die Betreuung übernimmt. Die Deutsche Schlaganfall-Hilfe empfiehlt ausdrücklich, den Verdacht und den Symptombeginn beim Notruf zu nennen.
So betreue ich die betroffene Person bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
Bei Bewusstsein
Eine wache Person lasse ich möglichst ruhig sitzen oder liegen, meistens mit leicht erhöhtem Oberkörper. Enge Kleidung kann gelockert werden. Ich bleibe bei ihr, spreche langsam und beruhigend und verhindere, dass sie allein aufsteht oder herumläuft.
Unruhe, Scham oder Verständigungsprobleme sind in dieser Situation ganz normal. Ich stelle keine langen Fragen und dränge nicht zum Sprechen. Entscheidend ist, Bewusstsein und Atmung regelmäßig zu beobachten und Veränderungen sofort der Leitstelle mitzuteilen.
Bei Bewusstlosigkeit und normaler Atmung
Wird die Person bewusstlos, prüfe ich die Atmung. Atmet sie normal, bringe ich sie in die stabile Seitenlage, damit die Atemwege frei bleiben. Bei einer erkennbaren Halbseitenlähmung kann die Seitenlage möglichst auf der gelähmten Seite erfolgen, sofern sie sicher gelingt.
Vorhandene Zahnprothesen müssen nicht routinemäßig entfernt werden. Nur wenn sie locker sitzen oder die Atemwege behindern, entferne ich sie vorsichtig. Die Atmung bleibt unter Kontrolle, bis der Rettungsdienst übernimmt.
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Bei fehlender normaler Atmung
Atmet die Person nicht normal oder bestehen Zweifel, behandle ich die Situation als Herz-Kreislauf-Stillstand. Dann beginne ich sofort mit der Herzdruckmassage und folge den Anweisungen der Leitstelle. Viele Rettungsleitstellen können Ersthelfende telefonisch durch die Wiederbelebung führen.
Das ist der Moment, in dem entschlossenes Handeln den größten Unterschied macht. Ein möglicher Schlaganfall darf die Wiederbelebung nicht verzögern, wenn keine normale Atmung vorhanden ist.
Warum Essen, Trinken und Medikamente gefährlich sein können
Nach einem Schlaganfall kann der Schluckreflex gestört sein, ohne dass es auf den ersten Blick auffällt. Flüssigkeit oder Nahrung kann dann in die Atemwege gelangen. Deshalb gilt bis zur medizinischen Untersuchung nichts essen und nichts trinken.
Dasselbe gilt für Medikamente. Ich gebe weder Schmerzmittel noch Blutdrucktabletten, Aspirin oder andere Mittel aus eigener Entscheidung. Die Ursache kann ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung sein, und Laien können diese Formen nicht sicher unterscheiden. Auch eine kurzfristige Besserung ist kein Grund, den Notruf abzubestellen.
Häufig wird außerdem versucht, den Blutdruck zu messen oder zu senken. Wenn ein Messgerät bereits zur Hand ist, kann der Wert für den Rettungsdienst hilfreich sein. Er darf aber niemals den Notruf oder die Betreuung verzögern.
Vorübergehende Beschwerden bleiben ein Notfall
Manchmal verschwinden Sprachstörungen, Lähmungen oder Sehstörungen nach wenigen Minuten wieder. Das kann zu einer transitorisch-ischämischen Attacke, kurz TIA, passen. Eine TIA ist ein vorübergehender Durchblutungsstörung im Gehirn und ein wichtiges Warnsignal für einen möglichen späteren Schlaganfall.
Ich würde deshalb auch bei vollständig verschwundenen Symptomen nicht auf den Hausarzttermin am nächsten Tag warten. Die Beschwerden, ihre Dauer und der genaue Beginn sollten notiert und beim Notruf genannt werden. Nur eine medizinische Untersuchung kann klären, was dahintersteckt.
Besonders hilfreich ist eine kleine Notiz mit dem letzten sicher normalen Zeitpunkt. Bei einer Person, die morgens mit Ausfällen aufwacht, zählt nicht automatisch der Moment des Aufwachens, sondern der Zeitpunkt, an dem sie zuletzt ohne Beschwerden gesehen wurde.
Was Angehörige und Nachbarn vorbereiten können
Während der Rettungsdienst unterwegs ist, kann eine zweite Person den Zugang erleichtern. Ich öffne, wenn möglich, die Haustür, schalte Licht ein und bitte jemanden, die Einsatzkräfte vor dem Gebäude einzuweisen. Das spart in Mehrfamilienhäusern wertvolle Minuten.
- Medikamentenplan oder Medikamentenpackungen bereitlegen.
- Ausweis und wichtige Kontaktdaten suchen, ohne die betroffene Person allein zu lassen.
- Beginn und Verlauf der Symptome schriftlich festhalten.
- Haustiere sichern und Stolperstellen im Zugangsweg beseitigen.
- Die Person nicht allein lassen und Veränderungen an die Leitstelle weitergeben.
Eine spezielle Ausstattung ist für die Erste Hilfe bei Schlaganfall nicht erforderlich. Ruhe, ein schneller Notruf und die Kontrolle der Atmung sind deutlich wichtiger als ein Hausmittel oder ein medizinisches Gerät. Wer regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse besucht, reagiert in solchen Situationen meist sicherer und schneller.
Klare Entscheidungen können beim Schlaganfall Zeit retten
Das wichtigste Muster lässt sich leicht merken: plötzliche Ausfälle ernst nehmen, FAST anwenden, 112 rufen, nichts einflößen und die Person bis zur Übergabe beobachten. Ich verlasse mich dabei nicht darauf, dass Beschwerden von allein verschwinden oder die betroffene Person noch selbst ins Auto steigen kann.
Erste Hilfe beendet den Schlaganfall nicht. Sie überbrückt die kritische Zeit, hält die Atemwege möglichst frei und liefert dem Rettungsdienst entscheidende Informationen. Genau diese wenigen, klaren Schritte können dazu beitragen, Folgeschäden zu begrenzen.