Diese Schritte entscheiden im Notfall
- Eigenschutz zuerst: Eine betroffene Person niemals berühren, solange Strom fließen kann.
- Stromkreis unterbrechen: Gerät ausschalten, Stecker ziehen oder Sicherung abschalten.
- 112 wählen: Bei Bewusstlosigkeit, Atemproblemen, Verbrennungen, Schmerzen, Hochspannung oder Unsicherheit.
- Atmung prüfen: Bei normaler Atmung stabile Seitenlage, bei fehlender normaler Atmung sofort Wiederbelebung.
- Ärztlich untersuchen lassen: Auch ein kurzer „Wischer“ kann Herzrhythmusstörungen auslösen.

Was nach einem Stromunfall sofort zählt
Die wichtigste Regel klingt einfach, wird in der Aufregung aber häufig übersehen: Erst die Stromquelle sichern, dann helfen. Wer eine noch unter Spannung stehende Person berührt, kann selbst Teil des Stromkreises werden und ebenfalls verunglücken.
Bei einem Haushaltsgerät schalte ich zuerst das Gerät aus, ziehe den Stecker oder betätige den Sicherungsautomaten. Das darf nur geschehen, wenn ich die Schaltstelle sicher erreiche und dabei nicht in Wasser stehe oder andere spannungsführende Teile berühre.
Ist das Abschalten bei einem vermuteten Niederspannungsunfall nicht sofort möglich, kann ein trockener, nicht leitender Gegenstand, etwa ein trockener Holzstiel, helfen, die Person von der Stromquelle zu trennen. Metall, nasse Gegenstände und bloße Hände sind dafür völlig ungeeignet. Bei Unsicherheit bleibe ich auf Abstand und rufe 112.
Besondere Gefahr bei Hochspannung
Bei Freileitungen, Trafostationen, Bahnanlagen oder deutlich gekennzeichneten Hochspannungsanlagen gilt eine andere Sicherheitsstufe. Ich halte mindestens 20 Meter Abstand, nähere mich der Person nicht und veranlasse über 112 einen Hochspannungsunfall.
Die Rettung darf dort nur durch speziell geschultes Fachpersonal nach sicherer Abschaltung erfolgen. Auch wenn kein sichtbarer Kontakt besteht, kann ein Lichtbogen überspringen. Zusätzlich besteht die Gefahr der Schrittspannung, also gefährlicher Spannungsunterschiede zwischen den Füßen in der Nähe einer Stromquelle.
Wann der Notruf 112 notwendig ist
Nach einem elektrischen Unfall lässt sich die Schwere für Laien kaum zuverlässig beurteilen. Ich wähle deshalb sofort 112, wenn die Person bewusstlos ist, nicht normal atmet, Herzbeschwerden, Atemnot, Krämpfe, starke Schmerzen, Verbrennungen, Verwirrtheit oder Lähmungserscheinungen hat.
Auch ein Hochspannungsunfall, ein längeres „Klebenbleiben“ an der Stromquelle, ein Sturz nach dem Stromkontakt oder eine vorübergehende Bewusstlosigkeit sind klare Gründe für den Rettungsdienst. Gleiches gilt, wenn ein Kind, eine schwangere Person oder jemand mit einer bekannten Herzerkrankung betroffen ist.
Bei einem sehr kurzen Kontakt mit einem Haushaltsgerät und völliger Beschwerdefreiheit kann eine ärztliche Abklärung über eine geeignete Praxis möglich sein. Die betroffene Person darf aber nicht selbst fahren und sollte begleitet werden. Bei jedem Zweifel ist 112 die sichere Entscheidung.
Diese Angaben braucht die Leitstelle
| Angabe | Beispiel |
|---|---|
| Wo | Ort, Straße, Hausnummer, Stockwerk oder genaue Zufahrt |
| Was | Stromunfall mit Haushaltsgerät, Baustrom, Freileitung oder Hochspannung |
| Wie viele | Anzahl der betroffenen Personen |
| Welche Beschwerden | Bewusstlosigkeit, Atemprobleme, Verbrennungen oder Schmerzen |
| Warten | Nicht auflegen, bis die Leitstelle keine Fragen mehr hat |
Die Leitstelle kann telefonisch durch die Wiederbelebung führen. Deshalb bleibe ich am Telefon, stelle das Handy auf Lautsprecher und delegiere, wenn möglich, eine zweite Person zum Einweisen des Rettungsdienstes.
Erste Hilfe je nach Bewusstsein und Atmung
Die Person ist ansprechbar
Nach dem sicheren Abschalten spreche ich die betroffene Person ruhig an und lasse sie möglichst ruhig sitzen oder liegen. Ich beobachte Bewusstsein und Atmung fortlaufend, weil sich Beschwerden nach dem Unfall verändern können.
Elektrische Verbrennungen an Ein- und Austrittsstellen bedecke ich locker mit einer sterilen oder möglichst sauberen Wundauflage. Cremes, Mehl, Öl und Eis gehören nicht auf die Verletzung. Kleidung, die an der Haut klebt, reiße ich nicht ab.
Die Person ist bewusstlos, atmet aber normal
Dann bringe ich sie in die stabile Seitenlage, halte die Atemwege frei und kontrolliere die Atmung regelmäßig. Die Person sollte nicht allein bleiben, auch wenn sie zunächst ruhig wirkt.
Die Person atmet nicht normal
Unregelmäßiges Schnappen oder einzelne unklare Atemzüge gelten nicht als normale Atmung. Ich rufe laut nach Hilfe, lasse 112 verständigen und beginne sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.
- Beide Hände mittig auf den Brustkorb setzen.
- Mit einer Frequenz von etwa 100 bis 120 Druckmassagen pro Minute kräftig drücken.
- Wenn möglich, im Verhältnis 30 Druckmassagen zu 2 Beatmungen arbeiten.
- Bei vorhandenem AED den Anweisungen des Geräts folgen und niemanden während der Schockabgabe berühren.
Die Wiederbelebung wird fortgesetzt, bis die Person wieder normal atmet, der Rettungsdienst übernimmt oder die eigenen Kräfte nicht mehr ausreichen. Ein AED darf auch von Laien benutzt werden, denn das Gerät analysiert selbst, ob ein Schock erforderlich ist.
Warum auch ein kleiner Stromschlag ärztlich abgeklärt werden sollte
Die sichtbare Hautverletzung sagt wenig über die tatsächliche Belastung des Körpers aus. Elektrischer Strom kann den Körper durchqueren, die Herztätigkeit stören und Muskeln oder Nerven beeinträchtigen, obwohl außen nur eine kleine Strommarke zu sehen ist.
Besonders wichtig ist der Stromweg. Verläuft er beispielsweise von einer Hand zur anderen oder von der Hand zum Fuß, kann der Brustkorb und damit das Herz betroffen sein. Herzrhythmusstörungen können verzögert auftreten, weshalb auch ein scheinbar leichter Unfall medizinisch ernst genommen werden muss.
Ich achte in den Stunden danach auf Herzklopfen, Schwindel, Brustschmerz, Atemnot, ungewöhnliche Müdigkeit, Taubheitsgefühle, Krämpfe oder zunehmende Schmerzen. Bei solchen Anzeichen wähle ich sofort 112 und erwähne ausdrücklich den vorausgegangenen Stromkontakt.
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Diese Informationen sollten weitergegeben werden
Für die ärztliche Beurteilung sind möglichst genaue Angaben hilfreich. Dazu gehören die Art des Geräts, die ungefähre Spannung, die Dauer des Kontakts, der vermutete Stromweg, ein möglicher Sturz und alle Beschwerden direkt nach dem Ereignis.
Ein häufiger Fehler ist die Aussage „Es war nur ganz kurz“. Die Dauer allein entscheidet jedoch nicht über das Risiko. Feuchtigkeit, verletzte Haut, ein langer Kontaktweg durch den Körper und die individuelle gesundheitliche Situation können die Wirkung deutlich verstärken.
Typische Fehler nach einem elektrischen Unfall
Der gefährlichste Fehler ist, die Person reflexartig anzufassen. Ebenso riskant ist es, ein Gerät wieder einzuschalten, um die Ursache zu prüfen, oder eine Sicherung mehrfach zurückzusetzen. Die Stromquelle bleibt ausgeschaltet, bis eine fachkundige Person die Anlage kontrolliert hat.
- Keine Hilfe mit nassen Händen oder auf feuchtem Boden leisten.
- Keine Metallgegenstände oder nassen Textilien zum Wegziehen verwenden.
- Bei Hochspannung niemals selbst zur Unfallstelle gehen.
- Verbrennungen nicht mit Hausmitteln behandeln.
- Die betroffene Person nicht allein lassen und nicht selbst fahren lassen.
- Den Notruf nicht abbrechen, bevor die Leitstelle das Gespräch beendet.
Für die Vorbeugung im Haushalt machen bereits einfache Maßnahmen einen Unterschied. Defekte Kabel, lockere Stecker und beschädigte Gehäuse gehören außer Betrieb. In Küche, Bad und Außenbereich sind Feuchtigkeitsschutz und ein funktionierender Fehlerstrom-Schutzschalter besonders wichtig. Reparaturen an elektrischen Anlagen überlasse ich einer Elektrofachkraft.
Die wichtigste Entscheidung bleibt die eigene Sicherheit
Nach einem Stromunfall gilt eine klare Reihenfolge: Abstand gewinnen, Strom abschalten, 112 nach Lage des Falls alarmieren, Atmung prüfen und bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beobachten oder wiederbeleben. Wer diese Reihenfolge beherrscht, verhindert einen zweiten Unfall und kann trotzdem schnell lebensrettende Hilfe leisten.
Mein wichtigster Rat ist deshalb schlicht: Ein kurzer Stromkontakt ist kein Grund für Entwarnung. Sobald Beschwerden, ein ungewöhnlicher Unfallhergang oder Unsicherheit hinzukommen, sollte die medizinische Abklärung nicht aufgeschoben werden.