Wenn bei einer Verbrennung Haut zerstört ist und Gewebe offenliegt, zählt jede Minute. Ich zeige, woran ich eine tiefe Brandverletzung erkenne, wann sofort die 112 gewählt werden muss und wie sich die Wunde bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes schützen lässt.
Bei freiliegendem Gewebe zählt schnelles und ruhiges Handeln
- Sofort 112 rufen, wenn Gewebe sichtbar ist, die Verbrennung tief oder großflächig wirkt oder Gesicht und Atemwege betroffen sind.
- Die Hitzequelle beseitigen und die betroffene Person aus dem Gefahrenbereich bringen, ohne sich selbst zu gefährden.
- Keine großflächige oder lange Kühlung bei tiefen Brandverletzungen, weil Unterkühlung droht.
- Die Wunde locker und keimarm bedecken, aber nichts auf die verletzte Fläche drücken.
- Keine Salben, Öle, Mehl, Eis oder Hausmittel verwenden und festgeklebte Kleidung nicht abreißen.
Woran ich eine tiefe offene Brandverletzung erkenne
Eine offene Verbrennung liegt vor, wenn die Haut nicht mehr als Schutzschicht vorhanden ist. Das kann durch aufgeplatzte Brandblasen, abgelöste Haut oder eine so tiefe Schädigung entstehen, dass Fettgewebe oder tieferliegende Strukturen sichtbar werden.
Das Aussehen allein entscheidet jedoch nicht sicher über die Schwere. Eine tiefe Verbrennung kann weißlich, grau, dunkelbraun oder schwarz wirken. Manchmal sind die Schmerzen sogar geringer als erwartet, weil Nervenendigungen zerstört wurden. Gerade diese scheinbare Schmerzarmut darf ich deshalb nicht als Entwarnung verstehen.
| Beobachtung | Warum sie wichtig ist |
|---|---|
| Freiliegendes Gewebe oder abgelöste Haut | Die natürliche Schutzbarriere fehlt, Keime können leichter eindringen. |
| Weiße, wachsartige, schwarze oder lederartig wirkende Haut | Das kann auf eine tiefe Gewebeschädigung hindeuten. |
| Verbrennung im Gesicht, am Hals oder im Mundbereich | Zusätzlich kann eine Schädigung der Atemwege vorliegen. |
| Strom-, Chemikalien- oder Explosionsunfall | Äußere Zeichen können harmloser wirken, als die inneren Verletzungen tatsächlich sind. |
Ich behandle sichtbares Gewebe daher grundsätzlich als medizinischen Notfall. Auch kleinere Verletzungen an Händen, Gelenken, Füßen oder im Gesicht gehören ärztlich beurteilt, weil dort schon eine begrenzte Fläche die Funktion stark beeinträchtigen kann.

Die ersten Minuten entscheiden über die richtige Hilfe
Eigenschutz kommt zuerst
Bevor ich helfe, prüfe ich, ob weiterhin Flammen, Strom, Rauch, heiße Flüssigkeiten oder Chemikalien vorhanden sind. Ich schalte Stromquellen ab, lösche den Brand nur ohne Eigengefährdung und bringe die betroffene Person aus dem Gefahrenbereich.
Brennt Kleidung, soll die Person möglichst stehen bleiben, sich auf den Boden legen und rollen. Flammen lassen sich mit Wasser oder einer geeigneten Löschdecke ersticken. Eine Decke aus leicht schmelzendem Kunststoff verwende ich dafür nicht, weil sie selbst gefährlich heiß werden kann.
112 frühzeitig wählen
Bei freiliegendem Gewebe rufe ich die 112 ohne Verzögerung. Wenn mehrere Helfende vor Ort sind, telefoniert eine Person, während die andere die Verbrennung versorgt. Ist jemand allein, setze ich zuerst den Notruf ab und schalte das Telefon auf Lautsprecher.
Ich teile der Leitstelle kurz mit, wo der Notfall passiert ist, was geschehen ist, wie viele Menschen betroffen sind und ob die Person bei Bewusstsein ist und normal atmet. Auch Hinweise auf Rauch, Chemikalien, Strom oder weitere Gefahren gehören in den Notruf. Rückfragen der Leitstelle beantworte ich und lege nicht eigenständig auf.
Atmung und Bewusstsein kontrollieren
Ich spreche die verletzte Person an und kontrolliere die normale Atmung. Bei Bewusstlosigkeit mit normaler Atmung bringe ich sie, sofern keine Hindernisse dagegensprechen, in die stabile Seitenlage und beobachte sie weiter.
Atmet sie nicht normal, beginne ich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Die Anweisungen der Leitstelle helfen dabei. Eine schwere Verbrennung darf mich niemals davon abhalten, zuerst die lebenswichtigen Funktionen zu prüfen.So behandle ich die Wunde bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes
Kühlen nur mit Augenmaß
Bei einer kleinen, oberflächlichen Verbrennung kann sofortiges Kühlen mit kühlem Leitungswasser die Schmerzen kurzfristig lindern. Ich beschränke das Wasser auf die betroffene Stelle und verwende niemals Eis oder eiskaltes Wasser.
Bei einer tiefen, offenen oder großflächigen Verletzung sieht die Situation anders aus. Eine lange Kühlung kann den Körper auskühlen und den Kreislauf zusätzlich belasten. Deshalb kühle ich freiliegendes Gewebe nicht ausgedehnt und übergieße bei großen Verletzungen nicht den ganzen Körper. Bei Unsicherheit folge ich den Anweisungen der Leitstelle.
Wunde locker bedecken
Eine offene Brandwunde decke ich mit einem sterilen, möglichst nicht fusselnden Verbandtuch locker ab. Geeignet sind beispielsweise sterile Wundauflagen oder Metalline-Tücher. Ich lege das Material nur auf, ohne Druck auszuüben, und wickle die verletzte Stelle nicht fest ein.
Ist kein steriles Material vorhanden, kann ein sauberes, frisches Tuch als kurzfristige Abdeckung dienen. Ich fasse die Wunde nicht an, entferne keine Gewebestücke und versuche nicht, die Fläche zu reinigen. Die eigentliche Wundversorgung übernimmt das medizinische Fachpersonal.
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Kleidung und Schmuck richtig behandeln
Ringe, Uhren, Armbänder und enge Kleidungsstücke entferne ich vorsichtig, solange sie nicht an der Haut kleben. Schwellungen können sehr schnell zunehmen. Festgeklebte Kleidung bleibt an Ort und Stelle; sie wird höchstens um die Verklebung herum aufgeschnitten.
Die betroffene Person decke ich an unverletzten Körperstellen zu und schütze sie vor Zugluft. Ich gebe ihr nichts zu essen oder zu trinken, weil bei schweren Verletzungen eine dringende Behandlung oder Narkose notwendig werden kann.
Wann die 112 zwingend erforderlich ist
Bei sichtbarem Gewebe genügt es nicht, die Wunde selbst zu beobachten oder später eine Arztpraxis aufzusuchen. Der Notruf ist besonders dringend, wenn die Verletzung größer als die Handfläche der betroffenen Person ist, mehrere Körperregionen betrifft oder sich schnell verschlimmert.- tiefe Verbrennung mit freiliegendem Gewebe
- Verbrennung im Gesicht, am Hals, an Händen, Füßen, Gelenken oder im Genitalbereich
- Atemnot, Husten, Heiserkeit, Ruß im Gesicht oder Schmerzen beim Atmen
- Bewusstseinsstörungen, blasse oder kaltschweißige Haut und Kreislaufprobleme
- Verbrennung durch Strom, Chemikalien, Explosion oder brennende Kleidung
- großflächige Verletzung oder mehrere betroffene Personen
- schwere Verbrennung bei Säuglingen, Kindern oder älteren Menschen
Die Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin nennt für Erwachsene unter anderem tiefe Verbrennungen ab etwa 10 Prozent der Körperoberfläche als Kriterium für die Behandlung in einem spezialisierten Zentrum. Für Ersthelfende ist diese Berechnung aber nicht entscheidend. Sobald die Tiefe unklar ist oder die Verletzung offen wirkt, ist der Rettungsdienst die richtige Anlaufstelle.
Was ich beim Notruf und bis zur Übergabe beachten muss
Die Leitstelle braucht keine medizinische Fachdiagnose. Eine klare Beschreibung wie „tiefe Verbrennung am Unterarm, Gewebe sichtbar, Person wach und ansprechbar“ hilft mehr als eine vermutete Einstufung in einen Verbrennungsgrad.
| Information | Beispiel |
|---|---|
| Ort | Straße, Hausnummer, Etage oder gut sichtbarer Treffpunkt |
| Unfallhergang | Verbrühung, Feuer, Strom, Chemikalie oder Explosion |
| Verletzung | Betroffene Körperstelle, sichtbares Gewebe, ungefähre Größe |
| Zustand | Wachheit, normale Atmung, starke Schmerzen oder Kreislaufprobleme |
| Gefahren | Rauch, Stromleitung, Gas, ausgelaufene Chemikalien oder Gebäudeschäden |
Bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte bleibe ich bei der verletzten Person, beruhige sie und kontrolliere wiederholt Bewusstsein und Atmung. Verschlechtert sich ihr Zustand, melde ich das sofort der Leitstelle. Das DRK und die Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin betonen beide, dass Wärmeerhalt und eine saubere, lockere Abdeckung in dieser Phase wichtiger sind als eine aufwendige Eigenbehandlung.
Diese Fehler verschlimmern offene Brandwunden
Viele gut gemeinte Maßnahmen richten bei tiefen Verbrennungen mehr Schaden an, als sie nutzen. Besonders problematisch ist alles, was Gewebe zusätzlich verletzt, die Wunde verunreinigt oder den Körper auskühlt.
- Kein Eis: Kälte kann das Gewebe zusätzlich schädigen.
- Keine Hausmittel: Mehl, Öl, Zahnpasta, Quark und ähnliche Stoffe gehören nicht auf eine Brandwunde.
- Keine Salben oder Cremes: Sie erschweren die spätere Beurteilung und können Keime einschließen.
- Brandblasen nicht öffnen: Die Blasenhaut schützt das darunterliegende Gewebe.
- Keine festgeklebte Kleidung abziehen: Dabei können Haut und Gewebe mitgerissen werden.
- Keine lange Ganzkörperkühlung: Sie kann eine gefährliche Unterkühlung auslösen.
- Kein straffer Verband: Schwellungen können die Durchblutung zusätzlich beeinträchtigen.
Mein wichtigster Grundsatz lautet deshalb: Hitze stoppen, 112 rufen, Atmung prüfen, Wunde locker bedecken und die Person warm sowie ruhig halten. Mehr muss ein Ersthelfer bei einer schweren Brandverletzung nicht erzwingen.
Eine vorbereitete Umgebung kann im Ernstfall entscheidend sein
Für Haushalte und Betriebe lohnt sich ein Erste-Hilfe-Material, das neben Pflastern auch sterile Verbandtücher und möglichst eine Metalline-Wundauflage enthält. Ich lagere es so, dass es schnell erreichbar ist, und überprüfe regelmäßig das Ablaufdatum.
Ebenso wichtig ist ein freier Zugang für Rettungskräfte. Eine gut sichtbare Hausnummer, ein geöffneter Zugang und eine Person, die den Rettungsdienst einweist, sparen oft wertvolle Minuten. Bei Brandereignissen gehören außerdem die eigene Sicherheit und ein schneller Rückzug immer vor den Versuch, eine Wunde selbst vollständig zu versorgen.
Eine tiefe Verbrennung lässt sich mit Erster Hilfe nicht heilen. Ich kann aber verhindern, dass weitere Hitze einwirkt, die Wunde verschmutzt oder der Körper auskühlt. Genau diese einfachen, konsequenten Schritte schaffen die beste Grundlage, bis professionelle Hilfe übernimmt.