Ein Mensch bricht plötzlich zusammen, reagiert nicht und atmet nur noch unregelmäßig nach Luft. Dann zählt nicht die perfekte Diagnose, sondern schnelles Handeln mit 112, Herzdruckmassage und einem AED. Ich zeige, was bei einer Defibrillation bei Kammerflimmern passiert, wie Ersthelfer richtig vorgehen und welche Fehler in den entscheidenden ersten Minuten besonders häufig sind.
Diese Schritte entscheiden in den ersten Minuten
- Sofort 112 rufen und das Telefon auf Lautsprecher stellen.
- Bei fehlender normaler Atmung direkt mit Herzdruckmassage beginnen.
- Ein AED darf von Laien benutzt werden und führt akustisch durch die Anwendung.
- Der Schock ist nur bei Kammerflimmern oder pulsloser ventrikulärer Tachykardie sinnvoll.
- Nach der Analyse oder Schockabgabe die Reanimation sofort fortsetzen.
Warum Kammerflimmern sofortige Defibrillation braucht
Beim Kammerflimmern arbeiten die Herzkammern nicht mehr koordiniert. Statt kräftig Blut in den Kreislauf zu pumpen, zucken die Herzmuskelzellen chaotisch. Dadurch fällt der Blutfluss praktisch aus, der Betroffene verliert meist innerhalb von Sekunden das Bewusstsein und es ist kein normaler Puls mehr vorhanden.
Die Defibrillation setzt einen kurzen, kontrollierten Stromimpuls durch den Brustkorb. Dieser beendet die ungeordnete elektrische Aktivität, damit das körpereigene Reizleitungssystem wieder einen geordneten Rhythmus aufnehmen kann. Das ist keine „Wiederbelebung per Knopfdruck“, sondern nur ein Teil der Überlebenskette. Ohne Herzdruckmassage und Notruf verliert man wertvolle Zeit.
Ein AED, also ein automatisierter externer Defibrillator, analysiert den Herzrhythmus selbstständig. Er gibt einen Schock nur frei, wenn ein schockbarer Rhythmus erkannt wird. Bei einer Nulllinie oder einem anderen nicht schockbaren Rhythmus fordert das Gerät ausdrücklich dazu auf, keinen Schock abzugeben und weiterzudrücken.
Die aktuellen ERC-Leitlinien 2025 empfehlen bei Kammerflimmern einen einzelnen Schock und anschließend einen etwa zweiminütigen Zyklus mit Herzdruckmassage. Für medizinisches Fachpersonal gelten dabei andere Abläufe und Einstellungen als für Laien am AED.
Was Ersthelfer bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes tun
Ich orientiere mich in solchen Situationen an einer einfachen Reihenfolge, die auch unter Stress funktioniert. Zuerst prüfe ich, ob die Umgebung sicher ist, spreche die Person laut an und rüttele vorsichtig an den Schultern. Reagiert sie nicht, kontrolliere ich die Atmung höchstens etwa zehn Sekunden lang.
Schnappende, unregelmäßige Atemzüge sind keine normale Atmung. Dieses sogenannte agonale Atmen wird häufig falsch als Lebenszeichen eingeschätzt. Wenn die Person bewusstlos ist und nicht normal atmet, behandle ich die Situation wie einen Herz-Kreislauf-Stillstand.
- 112 wählen, den Ort genau nennen und das Telefon auf Lautsprecher stellen.
- Die betroffene Person auf den Rücken legen und den Oberkörper freimachen.
- Die Hände in der Mitte des Brustkorbs platzieren und mit 100 bis 120 Kompressionen pro Minute drücken.
- Bei Erwachsenen etwa 5 bis 6 Zentimeter tief drücken und den Brustkorb nach jeder Kompression vollständig entlasten.
- Wenn ein AED in der Nähe ist, soll eine zweite Person ihn holen, während die erste ohne unnötige Pause weitermacht.
Wer in Beatmung geschult ist und sie durchführen möchte, kann im Verhältnis 30 zu 2 wechseln. Wer nicht beatmen kann oder möchte, drückt ohne Unterbrechung weiter. Das ist deutlich besser, als aus Unsicherheit gar nichts zu tun.
Der GRC fasst das Vorgehen für Laien mit „Prüfen, Rufen, Drücken“ zusammen. Die stabile Seitenlage ist bei einer bewusstlosen Person ohne normale Atmung nicht ausreichend, weil dann kein Kreislauf mehr erhalten wird.So läuft die Anwendung eines AED ab
Ein AED spricht in der Regel klare Ansagen und zeigt die einzelnen Schritte an. Eine spezielle medizinische Ausbildung ist für die Bedienung nicht erforderlich. Entscheidend ist, dass das Gerät sofort eingeschaltet und nicht erst lange studiert wird.
- Brustkorb freimachen und nasse Haut gründlich abtrocknen.
- Die beiden Klebeelektroden nach der Zeichnung auf dem Gerät anbringen, üblicherweise eine rechts oben unterhalb des Schlüsselbeins und eine links seitlich unterhalb der Achsel.
- Während der Rhythmusanalyse darf niemand die Person berühren.
- Fordert das Gerät zum Schock auf, laut sagen, dass alle zurücktreten sollen, und erst auslösen, wenn niemand Kontakt hat.
- Nach dem Schock oder der Ansage „kein Schock empfohlen“ unmittelbar mit der Herzdruckmassage beginnen.
Die Analyse dauert nur kurz, trotzdem entsteht hier oft eine unnötige Pause. Ich halte mich deshalb strikt an die Sprachansagen und prüfe nicht eigenmächtig wieder den Puls. Für Laien ist es wichtiger, den Kreislauf durch Kompressionen zu unterstützen, als eine komplizierte Rhythmusdiagnose zu versuchen.
| Situation | Richtiges Vorgehen |
|---|---|
| AED analysiert | Niemand berührt die betroffene Person. |
| Schock wird empfohlen | Alle treten zurück, danach sofort weiter reanimieren. |
| Kein Schock empfohlen | Keine Zeit verlieren und weiter Herzdruckmassage durchführen. |
| Rettungsdienst trifft ein | Vorgehen kurz schildern und Anweisungen des Teams befolgen. |
Warum jede Minute und jede Kompression zählt
Ein Defibrillator kann Kammerflimmern beenden, aber er ersetzt nicht die Sauerstoffversorgung zwischen den Schockversuchen. Die Herzdruckmassage hält zumindest einen begrenzten Blutfluss zu Gehirn und Herz aufrecht. Genau deshalb gehören frühe Kompressionen und frühe Defibrillation untrennbar zusammen.
Nach Angaben des GRC erleiden in Deutschland jährlich mehr als 120.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Ohne Herzdruckmassage können schon nach wenigen Minuten schwere Schäden entstehen. Für mich ist das der wichtigste praktische Punkt: Ein AED, der erst nach mehreren Minuten geholt wird, hilft weniger als ein AED, der rasch eintrifft, während daneben ununterbrochen gedrückt wird.
Die Herzdruckmassage darf nur kurz unterbrochen werden, wenn das Gerät analysiert oder ein Schock abgegeben wird. Auch nach einem erfolgreichen Schock kann das Herz zunächst noch keinen wirksamen Kreislauf erzeugen. Deshalb wird weitergedrückt, bis das Gerät eine neue Analyse verlangt oder der Rettungsdienst übernimmt.
Typische Fehler und besondere Situationen
Zu lang nach dem Puls suchen
Laien können einen Puls in einer Stresssituation oft nicht sicher beurteilen. Wer erst lange sucht, verliert Zeit. Bei Bewusstlosigkeit und fehlender normaler Atmung gilt daher sofort mit der Reanimation beginnen.
Angst vor dem AED
Ein AED gibt keinen Schock ab, wenn kein schockbarer Rhythmus vorliegt. Die Elektroden müssen korrekt kleben, und während der Analyse oder Schockabgabe warnt das Gerät ausdrücklich vor Kontakt. Die größere Gefahr ist meistens nicht der AED, sondern das Abwarten.
Nasser oder behaarter Brustkorb
Bei Regen, Schweiß oder einem Unfall im Wasser muss die Person zunächst aus der Gefahrenzone gebracht und der Brustkorb getrocknet werden. Ein Schock in einer Wasserpfütze ist zu vermeiden. Starke Brustbehaarung kann die Haftung der Elektroden beeinträchtigen. Falls ein Rasierer im AED-Kit liegt, sollte nur dann schnell rasiert werden, wenn die Elektroden sonst nicht halten.
Herzschrittmacher oder implantierter Defibrillator
Ein implantiertes Gerät ist kein Grund, auf einen AED zu verzichten. Die Klebeelektrode sollte jedoch nicht direkt über dem tastbaren Implantat liegen. Sie wird etwas versetzt angebracht, während die Zeichnung auf dem AED weiterhin maßgeblich ist.
Lesen Sie auch: Notruf richtig absetzen - 112, 110 und 116117 im Überblick
Kinder und Schwangere
Bei Kindern werden, wenn vorhanden, Kinderelektroden oder ein Kinder-Modus verwendet. Die Ansagen des AED geben den nächsten Schritt vor. Bei Schwangeren werden Reanimation und AED grundsätzlich nicht verzögert, denn die schnelle Behandlung der Mutter ist auch für das ungeborene Kind entscheidend.
Wenn die Person wieder normal atmet und sich bewegt, stoppe ich die Kompressionen, lasse die Elektroden zunächst kleben und überwache die Atmung. Bei erneutem Atemstillstand beginne ich sofort wieder mit der Reanimation.
Die wichtigste Vorbereitung findet vor dem Notfall statt
Wer einmal einen Erste-Hilfe-Kurs mit Reanimation und AED besucht hat, handelt im Ernstfall meist deutlich sicherer. Ich empfehle, sich im eigenen Betrieb, Verein oder Wohnviertel zu merken, wo der nächste AED hängt und ob er rund um die Uhr zugänglich ist.
Im Notfall muss niemand eine perfekte Leistung abliefern. Die Leitstelle unterstützt telefonisch, der AED spricht jeden Schritt vor, und kräftige Kompressionen sind wichtiger als langes Zögern. Wer prüft, 112 ruft, drückt und den AED ohne unnötige Pausen einsetzt, schafft genau die Hilfe, die bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes den größten Unterschied machen kann.