Bei einem Kreislaufstillstand sind nicht alle Herzrhythmen mit einem Defibrillator behandelbar. Dieser Artikel erklärt die nicht defibrillierbaren Rhythmen, zeigt den Unterschied zu schockbaren Rhythmen und gibt Ihnen eine klare Handlungsfolge für die ersten Minuten. Dazu gehören die schnelle Einschätzung, der Notruf 112 in Deutschland und die Frage, wie Sie einen AED sinnvoll einsetzen, ohne Zeit zu verlieren.
Was in den ersten Minuten wirklich zählt
- Bewusstlos und nicht normal atmend bedeutet: sofort 112 und Wiederbelebung beginnen.
- Asystolie und PEA sind nicht schockbar; ein AED wird dann keinen Schock abgeben.
- Der AED gehört trotzdem an die Brust, weil er den Rhythmus analysiert und Sie durch die Reanimation führt.
- In Deutschland ist die 112 kostenfrei und europaweit erreichbar.
- Wenn Sie geübt sind, arbeiten Sie im Rhythmus 30:2; wenn nicht, drücken Sie ohne Pause weiter.
Was bei nicht schockbaren Rhythmen medizinisch passiert
Ich trenne im Notfall immer zuerst zwischen dem, was ein Monitor sehen würde, und dem, was der Körper noch leistet. Bei einer Asystolie ist praktisch keine messbare elektrische Aktivität mehr da. Bei einer pulslosen elektrischen Aktivität, kurz PEA, kann zwar ein geordnetes EKG-Muster vorhanden sein, aber das Herz pumpt trotzdem nicht wirksam. Beides lässt sich nicht durch einen Schock „neu starten“.
Wichtig ist die Abgrenzung zu schockbaren Rhythmen: Kammerflimmern und pulsloser Kammertachykardie sind Störungen, bei denen ein Defibrillator helfen kann. Bei den nicht schockbaren Formen liegt das Problem meist tiefer, etwa in einem Sauerstoffmangel, einem Kreislaufzusammenbruch oder einer schweren zugrunde liegenden Erkrankung.
| Rhythmus | Was dahinter steckt | Schock durch AED? | Was jetzt zählt |
|---|---|---|---|
| Asystolie | Keine messbare elektrische Aktivität des Herzens | Nein | Herzdruckmassage, 112, Ursachen suchen |
| PEA | Elektrische Aktivität ohne wirksamen Kreislauf | Nein | Herzdruckmassage, schnelle Hilfe, Ursachen behandeln |
| Kammerflimmern | Chaotische elektrische Aktivität | Ja | AED so schnell wie möglich |
| Pulslose Kammertachykardie | Sehr schnelle, aber nicht mehr effektive Herzaktion | Ja | AED so schnell wie möglich |
Für Laien bleibt diese Unterscheidung unsichtbar. Deshalb ist die richtige Frage nicht „Welcher Rhythmus liegt vor?“, sondern: Reagiert die Person nicht und atmet sie nicht normal? Genau dort beginnt die Rettungskette. Und damit sind wir bei dem Punkt, den viele im Ernstfall zu spät ernst nehmen: der Erkennung.
Woran Sie den Notfall erkennen und wann 112 dran ist
Ein plötzlicher Kollaps mit fehlender Reaktion ist immer ein Alarmzeichen. Wenn die Person nicht normal atmet, ist das ein Notfall, auch dann, wenn noch einzelne Atemzüge, Schnappatmung oder röchelnde Laute zu hören sind. Solche Muster wirken oft so, als würde noch „etwas“ passieren, sind aber gerade bei einem Herzstillstand typisch und dürfen nicht als Entwarnung verstanden werden.
Ich sehe in der Praxis oft dieselbe Verzögerung: Menschen warten auf Sicherheit, obwohl in Wahrheit schon gehandelt werden müsste. Kurze krampfartige Bewegungen können am Anfang eines Kreislaufstillstands ebenfalls vorkommen. Das ist kein Grund, abzuwarten, sondern ein weiterer Grund, sofort die Leitstelle einzuschalten.
Das BBK weist darauf hin, dass Sie die 112 in Deutschland und ganz Europa kostenlos erreichen, auch mit dem Mobiltelefon mit SIM-Karte. Entscheidend ist dann, knapp und klar zu melden:
- Wo ist es passiert?
- Was ist geschehen?
- Wie viele Personen sind betroffen?
- Ist die Person ansprechbar und normal atmend?
- Unter welcher Rückrufnummer sind Sie erreichbar?
Sie müssen dabei kein starres Schema aufsagen. Eine genaue Ortsangabe und die wichtigsten Symptome reichen, der Rest wird in der Regel gezielt abgefragt. Sobald der Notruf läuft, beginnt der wichtigste Teil: die Reanimation vor Ort.

So handeln Sie in den ersten Minuten
Die ersten Minuten entscheiden, weil der Körper ohne Sauerstoff sehr schnell Schaden nimmt. Ich würde die Reihenfolge immer so halten: sichern, rufen, drücken, AED holen. Wer zu zweit oder zu dritt ist, teilt die Aufgaben sofort auf, statt alles nacheinander zu erledigen.
- Prüfen Sie die Umgebung und sprechen Sie die Person laut an. Reagiert sie nicht, gehen Sie von einem schweren Notfall aus.
- Rufen Sie 112 an und schalten Sie das Telefon auf Lautsprecher. Bitten Sie eine zweite Person, sofort einen AED zu holen, falls einer in der Nähe ist.
- Beginnen Sie mit der Herzdruckmassage: Mitte des Brustkorbs, 100 bis 120 Druckbewegungen pro Minute, etwa 5 bis 6 Zentimeter tief, mit möglichst wenigen Unterbrechungen.
- Wenn Sie geschult sind, geben Sie 30 Kompressionen und 2 Atemspenden. Wenn Sie dafür nicht trainiert sind, drücken Sie ohne Unterbrechung weiter.
- Bringen Sie den AED sofort an, sobald er da ist, und folgen Sie den Ansagen des Geräts. Während der Analyse niemanden berühren.
- Wenn der AED keinen Schock empfiehlt, sofort mit der Herzdruckmassage fortfahren. Nicht diskutieren, nicht abwarten, nicht neu interpretieren.
Ein zweiter Helfer ist Gold wert: einer drückt, einer telefoniert, einer holt den AED. Wenn Sie allein sind und der Defibrillator nur wenige Meter entfernt liegt, holen Sie ihn nur dann selbst, wenn die Unterbrechung der Herzdruckmassage sehr kurz bleibt. Genau diese Minuten sind bei einem Kreislaufstillstand teuer.
Warum der AED auch bei diesen Rhythmen dazu gehört
Ein AED ist kein Gerät, das nur bei Kammerflimmern „nützlich“ ist. Er ist vor allem ein Sicherheitswerkzeug, das die Entscheidung über den Schock übernimmt. Wenn ein Schock angezeigt ist, sagt das Gerät es klar an. Wenn kein Schock angezeigt ist, ist das kein Fehler, sondern die korrekte Reaktion auf einen nicht schockbaren Rhythmus.
Der praktische Vorteil bleibt trotzdem groß: Der AED erkennt den Rhythmus, begleitet Sie sprachlich durch die Schritte und kann im Fall eines späteren Rhythmuswechsels sofort wieder relevant werden. Gerade deshalb sollten Sie Pads anlegen, auch wenn Sie vermuten, dass kein schockbarer Rhythmus vorliegt. Die Diagnose macht nicht die anwesende Laienperson, sondern das Gerät beziehungsweise später das Rettungsteam.
Für die Handlung am Platz gilt am Ende eine einfache Regel: Schock nur auf Ansage, CPR sofort weiter. Mehr muss man im Moment nicht „wissen“, um richtig zu helfen.
Warum diese Rhythmen entstehen und was Rettungsteams dann tun
Nicht schockbare Rhythmen sind oft das Endergebnis eines anderen Problems. Häufig steckt dahinter zu wenig Sauerstoff, ein schwerer Blutverlust, eine massive Stoffwechselstörung oder eine blockierte mechanische Funktion des Herzens. Typische reversible Ursachen sind unter anderem:
- Sauerstoffmangel
- starker Blutverlust oder anderer Volumenmangel
- Unterkühlung
- Elektrolytverschiebungen, besonders bei Kalium
- Vergiftungen
- Spannungspneumothorax, also Luft unter Druck im Brustraum
- Herzbeuteltamponade, bei der Flüssigkeit das Herz einengt
- Thrombosen, etwa Herzinfarkt oder Lungenembolie
Genau deshalb behandelt der Rettungsdienst nicht nur den sichtbaren Rhythmus, sondern die Ursache dahinter. Die ERC-Leitlinien 2025 betonen bei nicht schockbaren Rhythmen frühes Adrenalin durch das Rettungsteam und die konsequente Suche nach reversiblen Ursachen. Im Alltag heißt das: Beatmung, Herzdruckmassage, Ursachen abklären, Kreislauf stützen und dann gezielt weiterbehandeln.
Ich halte das für den entscheidenden Punkt, den Laien oft unterschätzen: Ein nicht schockbarer Rhythmus ist nicht automatisch hoffnungslos. Er ist vor allem ein Hinweis darauf, dass jetzt Zeit, saubere Reanimation und die richtige Ursache im Mittelpunkt stehen müssen. Und genau da passieren in der Praxis die meisten vermeidbaren Fehler.
Typische Fehler, die wertvolle Minuten kosten
Ich sehe in Schulungen immer wieder dieselben Bremsen. Die gute Nachricht: Fast alle lassen sich mit wenigen klaren Regeln vermeiden.
- Zu lange warten, bevor 112 gewählt wird.
- Schnappatmung oder röchelnde Atmung als „noch atmet ja“ missverstehen.
- Zu lange nach einem Puls suchen, statt mit der Herzdruckmassage zu beginnen.
- Nach „kein Schock empfohlen“ aufzuhören.
- Die Herzdruckmassage zu flach, zu langsam oder mit zu vielen Pausen auszuführen.
- Den AED zwar holen, ihn aber zu spät anschließen.
- Allein alles selbst machen zu wollen, statt Helfer sofort einzubinden.
Besonders gefährlich ist das Zögern nach dem ersten Eindruck. Wer erst noch Diagnosen sammelt, verliert den Takt. Wer dagegen klar handelt, verschafft dem Gehirn und dem Herzen Zeit, die ohne Hilfe nicht mehr vorhanden wäre. Genau deshalb ist einfache, saubere Erste Hilfe in diesem Thema mehr wert als jede laienhafte Spekulation über den Rhythmus.
Was ich für einen echten Ernstfall vorbereiten würde
Ein Notfall wird selten leichter, nur weil man ihn theoretisch verstanden hat. Darum würde ich die Vorbereitung sehr praktisch halten:
- Den Standort des nächsten AED im Haus, Betrieb oder öffentlichen Gebäude kennen.
- Die genaue Adresse oder den Zugang zum Gebäude griffbereit haben.
- Im Team vorher klären, wer 112 ruft, wer drückt und wer den AED holt.
- Die eigenen Erste-Hilfe-Kenntnisse regelmäßig auffrischen.
- Im Alltag bewusst auf Hinweise zu AED-Standorten achten, besonders in größeren Gebäuden und an stark frequentierten Orten.
Wer diese wenigen Abläufe verinnerlicht, reagiert im Ernstfall deutlich ruhiger und vor allem schneller. Bei nicht defibrillierbaren Rhythmen ist genau das der Unterschied: Der Defibrillator ist nur ein Werkzeug in der Rettungskette, aber die ersten Minuten entscheiden Sie.